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Full text of "Hieronymus Bosch, das Werk herausgegeben von Kurt Pfister"

I1ARIN COUNTY FREE LIBRARY 




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Marin County Library 













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Abb. 1. Bildnis des Hicronymus Bosch (Stich von Cock) 



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DAS WERK HERAVSGE6EBEN 
VOK KVRT PFISTER 



POTSDAM. 
GVSTAV KIEPENHEVER VERLAG 



QUI NON EST TENTATUS, QUID SCIT? 



ERSTES BIS DRITTES TAUSEND. - ALLE RECHTE VORBEHALTEN. 

COPYRIGHT 1922 BY GUSTAV KIEPENHEUER VERLAG AG. • POTSDAM. 

DRUCK VON EMIL HERRMANN SENIOR IN LEIPZIG. 






EINFÜHRUNG 



H i . . i. 



EIN Stich des Hieronymus Cock bewahrt das Antlitz des Malers 
Bosch: tiefliegende, von bohrendem Krampf zerwühlte, weit auf? 
gerissene Augen, eine breite erregte Stirn, vorstehende Backen* 
knochen, faltige, tiefgesenkte Mundwinkel. Der Ausdruck der Züge 
streng, mühselig, fanatisch. 

Das Leben dieses Mannes ist für unsere Blicke verschüttet. Wir wissen 
kaum mehr als den Eintrag des Totenbuches der Brüderschaft unserer 
lieben Frau zu Hertogenbosch: Anno 1516, Hieronimus Aqueh, alias 
Bosch, insignis pictor. 

In dem kleinen nordbrabantischen Städtchen Hertogenbosch — der Zu* 
satz Aquen weist anscheinend auf die Herkunft der Familie aus Aachen — 
ist er wohl geboren und gestorben und hat den Kreis seines Daseins — 
wir vermögen nicht zu sagen, wie lange es währte — erfüllt. 
Im übrigen nennen nur einige Zahlungsanweisungen seinen Namen, 
so eine vom September 1504 in Höhe von 26 Livres, die ihm Philipp 
der Schöne für ein Bild des jüngsten Gerichtes mit Paradies und Hölle 
auszahlen ließ. 

Anderes wissen wir nicht von seinem Leben. Die Biographen der Zeit, 
die sonst doch wenigstens einige Anekdoten zum Besten gaben, ver* 
stummen, auch Carel van Mander bringt nur ein paar nichtssagende 
Redensarten. Die Geltung seines Werkes muß freilich in jenen Zeiten 
eine hohe gewesen sein, denn seine Bilder waren gesucht, und der 
schweigsame, grübelnde Philipp IL, der im Eskorial das Netz der Welt 
in Händen hielt, sammelte sie mit Leidenschaft. 

Heute ist sein Werk fast so verschollen, wie sein menschliches Dasein 
es immer sein wird. Und dennoch stehen diese Tafeln unter uns, steil 
und wunderlich gebaut, von den Ängsten und Nöten einer verzweifeln* 
den Menschheit gewaltig und geheimnisvoll und bis in die letzten Fugen 
erfüllt und von ihnen Zeugnis gebend. Wie Sterne bisweilen durch 
unsere Nächte in seltsamen parabolischen Zuckungen sausen, und 
unserem Auge wieder entschwinden, umherirrende Glieder von Welt* 
Systemen, die längst zerfielen. 



Es ist an der Zeit für eine Gegenwart, deren chaotische Entwurzelung 
in ein selbstverneinendes und alles zersetzendes Nichts treibt, dessen 
mathematische Formel jene Lehre von der Relativität darstellt, das Bild 
dieses Mannes zu erneuern, der mit klaren Augen das Schicksal einer 
zusammenbrechenden Welt, die seine Welt und sein Tag war, sah und 
mit der gewaltigen Zunge des Propheten den Sinn und das unvergäng* 
liehe Gleichnis ihres Untergangs zu künden unternahm. 



* 



EIN Thema dieser Tafeln, die Hölle, hat die Erinnerung an den 
Namen des Malers nie ganz vergessen lassen. Geschickte Stecher 
und Holzschneider haben das Gegenständlichste seiner Phantasie 
ergriffen und in zahlreichen Varianten popularisiert, und noch hundert 
Jahre später rühmt Carel van Mander mit der herablassenden Geste 
des über solche Ammenmärchen aufgeklärten Weltmannes ,,was hier 
alles an grotesken Spukgestalten zu sehen ist, und wie schön und natür* 
lieh er Flammen, Glut und Rauch wiederzugeben verstanden hat." 
Hier öffnet sich ein Zugang zurWelt des späten Mittelalters. In welchem 
Ausmaß solche Vorstellungen gerade damals die Zeit erfüllten, erweisen 
neben vielen anderen Zeugnissen die grausigen und erschütternden 
Schilderungen in der Vision des Tundalo, auch dadurch schon von be* 
sonderem Interesse, daß sie 1484 in Hertogenbosch, dem Wohnort des 
Malers, gedruckt worden sind und ihm zweifellos bekannt waren. Ganz 
im Gegensatz zu den frühen christlichen Jahrhunderten, die in freudiger 
Gewißheit dem Gericht Gottes entgegensahen, preßte das späte Mittel* 
alter in solche Schilderungen der Schrecken des Jenseits seine Zweifel 
und Ängste. (Einige dieser Zeugnisse sind im Anhang wiedergegeben.) 
Und für Bosch war die Hölle wahrlich nicht Ammenmärchen und 
Kinderschreck. Ihre Qualen standen als peinigende Drohung, als furcht* 
bare Ahnung vor seinem Gesicht. Die Ausbrüche schlafloser Nächte, 
die immer bohrende Frage, was hernach auf den wartet, den die schwere 
Erde deckt, die Hirn und Blut unablässig durchwühlende Furcht vor 
dem Jenseits gerinnt ihm zum Bild. 

* 10 * 







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Abb. 2. Groteske Figuren. Zeichnung. Oxford 



O der Verzweifelnde, der von Schlangen gebissen, von Teufeln gewürgt 
am Rande des feurigen Sees hockt. Der jammervolle Nackte, dem beim 
Sturz durch die Lüfte Dämonen die Gliedmaßen ausreißen. Der ge* 
waltige Schlund des amphibienhaften Höllenrachens, der Tausende 
zwischen den Zähnen zermalmt und sie zu neuen Qualen immer wieder 
ausspeit. 

Und jene, die in gläsernen Retorten zerstoßen, auf Harfen ausgespannt, 
von Höllenmaschinen und dämonischen Ungeheuern durchbohrt, ge* 
röstet, gerädert und zerfleischt werden. Und die Marterung, die am 
Glied der Sünde vollzogen wird : An Brüsten und Scham der Wollüstigen, 
im Eingeweide der Gefräßigen, an Hals und Mund des Ketzers. 
Dies ist nicht jenes von gebändigtem, fast harmonischem Gleichmaß 
erfüllte Schauspiel, das Dante zwei Jahrhunderte zuvor doch schon als 
Mensch einer neuen Zeit aufgerollt hatte. Hier ist Stätte des Schreckens, 
der Marterung und des Zähneknirschens, Ort, wo das Feuer nicht er* 
lischt und der Wurm nicht stirbt. 



AUF der mittleren Tafel jenes Triptychons, dessen einer Flügel 
die Qualen der Verdammten im ewigen Feuer aufzeichnet, blüht 
L zauberisch geheimnisvoll und phantastisch der Garten der 
Liebenden auf. Gleich einer Fata Morgana schwebt in bläulicher Ferne 
die tropische Landschaft mit üppigen Gewächsen und wunderlichen 
Tieren. Die Prozession der Reiter kreist um den See, magnetisch an* 
gezogen von der Lockung der nackten Nymphen. Und in der Sumpf* 
landschaft des Vordergrundes geschieht in den Gründen des Wassers, 
in gläserner Kugel, in Muscheln und auf blühender Wiese die Paarung 
der Geschlechter, die hochzeitliche Vermischung alles Lebens. Feierlich 
und vielstimmig rauscht der Hymnus der Wollust des Fleisches, weiß 
flimmernd wie das Gewimmel der Milchstraße zieht der Strom der 
schlanken, sich neigenden Leiber vorüber. 

Denket, dies sei der Traum des mittelalterlichen Menschen von der 
reuelosen Heiterkeit der antiken Welt, die das Diesseits unbeschwert 

* 12 * 



■ 







Abb. 3. Groteske Figuren. Zeichnung. Oxford 



genießt und ins Jenseits zu neuen Beglückungen wandert. Die Träume 
nehmen von den Dingen Dunkelheit und schmerzende Kante und es 
bleibt nur farbiges Gewebe, samtener Glanz, perlmutterner Schmelz. 
Und den Träumenden geschieht das Geheimnis der Umarmung, das 
ihr \X achsein mit dumpfer Erde und trüben Dämpfen band, kristallen 
und im Schimmer des Geschmeides wundersamer Perlen. 



NEBEN dem Garten der Lüste das irdische Paradies mit der 
Erschaffung des Weibes, neben dem Ort der Verdammnis die 
Stätte der himmlischen Verklärung. 
Das irdische Paradies ist erfüllt von tropischen Gewächsen und fremd; 
artigen Tieren. Giraffe, Einhorn, Känguruh, fliegende Fische, vege? 
tabile Wunder ferner Erdteile, von denen die Seefahrer Kunde ge* 
bracht hatten. Und in den wie aus tiefem Schlaf erweckten Leibern 
der ersten Menschen, in dem smaragden schimmernden Grün der Land; 
schaft lebt die strahlende und jungfräuliche Unberührtheit des Schöp? 
fungsmorgens. 

Aber die in Sünde fielen, unterm Baum der Erkenntnis und dann 
in dem von schwülen Gewächsen überwucherten Irrgarten der Welt, 
wurden im Blute des Lammes entsühnt, und stehen nun, von Engeln, 
die Gottes Barmherzigkeit ihnen zur Seite schickte, gestützt aus den 
Gräbern auf und schweben empor, immer höher und höher. Sie neigen 
sich rückwärts und ihre Augen können die Herrlichkeit und den Glanz 
fast nicht ertragen. Bis sie in die schimmernde Kugel eingehen, deren 
diamantene Mitte die Ewigkeit Gottes, der Anfang, Eckstein und Aus* 
gang alles Seins und Lebens ist. 



WER in den Ängsten des Daseins, in der Anfechtung des 
Fleisches und Hirnes, in Einsamkeit, Dumpfheit und Be* 
drängnis des täglichen Lebens nicht zugrunde gegangen 
war, wer einen Weg durch Hölle und Fegefeuer gefunden, und, wenn 



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auch von ferne nur die kristallene Kugel himmlischer Sphären geschaut 
hatte, dem mochte die Legende des verlorenen Sohnes, der zerlumpt 
und verhungert, aber mit dem Glauben an die Güte und Verzeihung 
des Vaters in der Brust sich in die Heimat aufmacht, wie eine Parabel 
des eigenen Schicksals dünken. 

Wie auf dem Wiener Bild in der scheuen flüchtigen Geste des Heim? 
kehrenden, in seinem angstvoll zerquälten Gesicht die Erinnerung an 
die Nöte und Erniedrigungen dunkler Jahre aufquillt, so verließ den 
Maler, auch wenn er jetzt ruhiger ward und in den Legenden der Bibel 
und in der heimatlichen Landschaft ein gelasseneres Gleichnis seiner 
Seele suchte, nie ganz der Druck, der auf den Jahren seiner Jugend und 
seines Mannesalters gelastet hatte. Wohl kehrte er heim und küßte in 
dankbarer und demütiger Rührung die Scholle der braunen Äcker, aber 
die Bedrängnisse der Welt lagerten um ihn gleich schlafenden wilden 
Tieren, die man nicht wecken darf. 



* 



DIES ist die Tafel der sieben Todsünden, die der sterbende König 
Philipp IL sich an sein Bett bringen ließ, auf daß sie ihm in 
seiner letzten schweren Stunde Trost spende. 
Inmitten der sich aus dem Grab erhebende Leib Christi mit der warnend 
erhobenen Linken und der eindringlichen Inschrift: Hüte Dich, hüte 
Dich, denn der Herr sieht Dich. Und im Rund sieben Darstellungen, 
deren jede einzelne eine der Todsünden szenisch vorführt. Eingebettet 
in Landschaft oder Kammer weitet sich das Schauspiel der dumpfen 
und derben Triebe des brabantischen Bauern zum Gleichnis der un? 
löslich und triebhaft gebundenen Leidenschaft der Menschen. Aber 
wie inmitten Christus als Eckstein, stehen bei den Rändern wieder die 
unerschütterlichen, metaphysischen Pfeiler dieser Welt: Tod, jüngstes 
Gericht, Hölle, Paradies. 



* 



• 1 6 ■ 







Abb. 5. Maria und Johannes. Zeichnung. Dresden 



NUN ist die Stunde dieses Lebens gekommen, die zu der ent? 
scheidenden Aussprache mit den letzten Dingen der abend? 
ländischen Menschheit, den Worten der Bibel, ruft. Man darf 
nicht sagen, die Entscheidung sei für den Menschen dieser Zeiten, für 
den Menschen, der um das Jahr 1500 lebte, noch selbstverständlich und 
vorgezeichnet gewesen. Erasmus und Paracelsus, Kopernikus, Leonardo 
und Holbein haben sehr verschieden lautende Antworten gegeben. 
Aber hier ist das aus tiefsten Gründen aufsteigende, um Klarheit sich 
mühende Bekenntnis dessen, der durch die Hölle der Verzweiflung 
und das Fegefeuer mannigfacher Anfechtung gegangen ist. Wie Larven 
aus jener unheimlichen und dämonischen Welt, die um die Insel brandet, 
auf die der Flüchtling sich rettete, umdrängen die gierigen, hämischen 
Fratzen der Henkersknechte den mit Dornen gekrönten und sein Kreuz 
tragenden Herrn, der mit verklärter Milde und Güte ihr Tun duldet. 
Denn alles dies muß geschehen, auf daß das Wort der Propheten er* 
füllt und die Sünde der Stammeltern gesühnt werde. 
Heiter und geheimnisvoll wie Märchen der Kindheit die Anbetung 
der morgenländischen Könige: in die köstliche Landschaft mit grünen 
Matten, der aus Morgennebeln auftauchenden turmbewehrten Stadt 
und den verfallenden Stall, in dem sich wunderliche Gestalten spuk? 
haft regen, gebettet ; und dabei in der demütigen Gebärde der Anbetung, 
in der lieblich verklärten Gestalt der Maria wie von himmlischen Schal? 
meien sanft bewegt. Kindlich und fromm wie Franziskus erlebt der 
Maler die liebliche Legende. 



UND endlich schenkt der gute braune Acker des brabantischen 
Landes diesem unruhigen, immer fragenden und immer bohren? 
den Dasein ein Gleichnis: gleicht nicht die Barke der Narren, 
Trinker und Wollüstigen, vom Tod geleitet, dem Gehäuse des mensch? 
liehen Lebens, das mit Zymbelklang und Liebesspiel sorglos der Nacht 
entgegenschwankt? Bezeugt nicht der Gaukler, der eine schnellgläubige, 
beschränkte Menge mitTrug und Zauber unschwer umstrickt, das Schick? 

* 18 » 



sal eines Geschlechtes, das den wahren Propheten verstieß und nun 
der Überredung der Marktschreier verfällt? 

Aber das tiefste Bekenntnis ist doch die Vision jenes Heuwagens, auf 
dem ein Liebespaar sich zärtlich lagert. Von höllischen Unholden ge* 
zogen, von Papst, Kaiser, Kurfürsten, Geistlichen und allem Volk 
umdrängt, schwankt der Wagen dahin, viele unter seinen Rädern be* 




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Abb. 6. Die blaue Barke. Stich nach B 



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grabend und — der rechte Teil des Bildes zeigt die höllische Stadt — 
die anderen zu dem Ort geleitend, wo alle Sünde ihre Sühne findet. 
So erlebte Hieronymus Bosch die Welt und ihre Lust im Bild des Ernte? 
festes der fruchtbaren Niederungen der Heimat, auf die Christus mit 
erbarmender Gebärde niederschaut, im Sinn der Worte des Psalmisten: 

Denn alles Fleisch ist wie Heu 

und seine Herrlichkeit wie die Blume des Feldes. 



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^L BER ihm geschahen die Dinge nicht wie einem, der das Schau? 

/ % spiel müßig, gelangweilt und unbeteiligt betrachtet, vielmehr 

*■ JL.trug er an ihnen in Schmerzen, die bis zum letzten Atemzug 

des Lebens dumpf und quälend auf: ihm lasteten; wie jener Antonius 

seiner Bilder, der unter den Versuchungen der Hoffahrt und des Flei* 

sches fast zusammenbricht und mit schwerer Zunge stammelt: 

Qui non est tentatas, quid seit? 

Was weiß der, der nicht ist versucht worden? 



DIESE weite und seltsameWeltruhtinder ihr gemäßen Form, der 
Zwiespältigkeit von naturalistischen und stilisierenden Element 
ten eignet. Landschaftliche Gründe werden mit dem Willen zu 
atmosphärischer und perspektivischer Fernsicht gegeben, Architektur, 
pflanzliches Leben, menschliche Gesichtszüge in naturalistischer Aus* 
deutung; aber die heiligen Figuren vorn stehen wie in den mittelalter« 
liehen Tafeln groß und feierlich und durchaus ohne Rücksicht auf das 
perspektivische Gesamtbild da. Und wenn die dunstigen Fernen der 
Landschaft zu einem fast einheitlichen verschwimmenden Ton sich zu? 
sammenschließen, so tragen die Menschen, die vorn handeln, Gewänder 
von buntleuchtender Farbigkeit. Der Raum will Tiefe, Illusion der Wirk? 
lichkeit, aber es geschieht in treppenartigen Abständen, in kulissen? 
hafter Schiebung. 

Die Farbe ist dünn aufgetragen, modelliert kantig und scharf die Dinge, 
gibt glasigen Glanz und Glätte. Mit unvergleichlicher Ausdrücklich; 
keit formt sie die feurigen Brände der höllischen Stadt, das smaragdene 
Grün der paradiesischen Matten, das verschwimmende Graublau ferner 
Horizonte. 



* 20 









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Abb. 7. Versuchung des hl. Antonius. Zeichnung. Berlin 



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DIE zeitliche Folge der Bilder kann, da keinerlei Daten vorliegen, 
nur ganz ungefähr gedeutet werden. Jugendwerke Boschs schei? 
nen uns nicht erhalten zu sein und eine überzeugende Ableitung 
oder Zusammenstellung mit dem Schaffen der Zeit ist nicht möglich. 
Vielleicht ist er wie Jan van Eyck in seiner Jugend Buchmaler gewesen. 
Die dünne, zarte Modellierung und Farbigkeit mancher Tafeln, etwa 




Abb. 8. Die zwei Blinden. Stich nach Bosch 

des Berliner Johannes auf Patmos, berührt sich nahe mit der feinen, auf 
atmosphärische Wirkungen bedachten Art gleichzeitiger niederländi* 
scher Miniaturen. Die vielfigurigen, gleichsam aus vielen Mosaikstein? 
chen zusammengesetzten, fast nur auf zweidimensionale Wirkungen 
bedachten Darstellungen, wie sie der Garten der Lüste oder auch manches 
Höllenbild zeigt, mögen weitere Glieder der uns bekannten Reihe sein. 
Eine starke Buntheit und zugleich stärkste Hingabe an gegenständliche 
Wirkungen ist diesen Tafeln eigen. 

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Es wächst dann der Wille und das Vermögen zu räumlicher, tiefenharter 
Gestaltung. Hand in Hand damit geht das Streben, die Buntheit der 
farbigen Welt in einen möglichst zusammenstimmenden Ton zu fassen, 
die gleichwertige Yielheitlichkeit der Dinge zu gliedern: der Heuwagen, 
der Stall zu Bethlehem, die Barke wird Schwerpunkt, von dem her 
das Bild gebaut wird. Das Mosaik wandelt sich zum rhythmischen 
Organismus. 

Ganz zuletzt mögen Tafeln wie der verlorene Sohn, das Steinschneiden, 
der heilige Antonius (im Eskorial) entstanden sein. Das fast einheit; 
lieh farbige und rhythmische Gefüge, die gestillte, in sich ruhende und 
erfüllte Gebärde ist Gnade und Weisheit des Alters. 



DIESES Werk steht vereinzelt in seiner Zeit. Sein Schöpfer war 
gewiß zutiefst in den Trieben der Menschheit jener Tage ver? 
wurzelt; aber die repräsentative Kunst der Zeit hatte sich von 
ihnen schon losgelöst und lebte auch im Norden im Kreis der geistigen 
Kräfte, die vom Italien der Renaissance ausgingen. 
Im Jahre 1516, da Bosch starb, schufen Raffael und Michelangelo, Leo? 
nardo und Dürer, Holbein und Grünewald. Man muß von den innigen 
und zarten Madonnen Raftaels, von den bedächtigen, mühsam gekläubel; 
ten und dabei ein wenig kargen Kompositionen Dürers, von den mit 
kühler und meisterlicher Objektivität geformten Bildnissen Holbeins 
weg den Blick auf die in fanatischer und brennender Inbrunst emp? 
fangenen Tafeln Boschs wenden, um den Abstand zu ermessen, der ihn 
von der Produktion seiner Zeit trennt. Xur die phantastisch und farbig 
glühenden Visionen Grünewalds, der wie Bosch dem Mittelalter ver* 
bunden blieb, berühren sich in etwa mit diesem Schaffen. 
Der Erbe dieses Werkes ist Bruegel. (Spätere — Callot, Goya, Daumier, 
Ensor — stehen auf diesem Fundament.) Der junge Bruegel hat aus 
dem Ideen; und Formkreis Boschs, den er des öfteren kopiert hat, 
seine Diablerien geschaffen. Manche auch seiner späteren Schöpfungen, 

* 24 « 



etwa das Bild der Blinden, geht auf Anregungen des Älteren zurück. 
Sein Beispiel mag Bruegel ein Halt, ein Widerstand gegen die italienische 
Lockung gewesen sein und ihm dankt er die Liebe zum Bauern und 
zur brabantischen Heimat, von der seine Tafeln ein unvergängliches 
Zeugnis ablegen. Er, der eine Generation nach Bosch schuf, gelangte 
in späten Jahren zu einem in sich ruhenden Ausgleich von Welt, Jen? 
seits und Ich, der Boschs dämonischen Ausbrüchen gegenüber wie 
gestillte Klassizität erscheinen mag. 




Abb. 10. Die Barke der Narren. Stich nach Bosch 

DIE Visionen des Hieronymus Bosch enthüllen die apokalyp? 
tische Landschaft des späten Mittelalters. 
Da brodeln die Ängste und Zweifel einer gequälten Mensch* 
heit, die an sich und an ihrem Weg irre ward. Da die starke und fromme 
Bindung des romanischen Bogens, der unerschüttert wie das Firmament 

* 25 * 



alles Leben umspannt gehalten hatte, gesprengt war, blieb nurVereinze? 
lung und chaotische Wirrnis aller Zungen. Da die Unbedingtheit des 
Glaubens erschüttert war, blieb dunkle Ungewißheit über die letzten 
Dinge und irrendes Suchen nach Gott. Um Erde und Jenseits, um 
Wollust und Erlösung kreist die angstvolle und zweifelnde Frage aller 
Kreatur. 

Aber der auf diesen Tafeln Grauen und Not eines Zeitalters nieder? 
schrieb, litt mehr denn jene namenlose Menge, die dumpf und blind 
ihre Last trug. Hellsichtiger Seher, schaute er den unter furchtbaren 
Wehen und Zuckungen geschehenden Zusammenbruch des tausend; 
jährigen Reiches Gottes. 

Was aber blieb ihm, der, gleich dem Lieblingsjünger auf Patmos, furcht? 
bare Gesichte empfing? Etwa der Traum von der Flut perlmutterner 
Frauenleiber in jenem Garten der Lüste? Oder jenes Stück grüne, 
heimatliche Erde unter dem weiten, dunstigen Firmament und der rot? 
glühenden Kugel der Sonne? Was bedeuteten Träume und das Stück? 
chen Tag, wenn das Fundament des Daseins barst? 
Wir wissen nicht, was ihm blieb. Oder sagt es jene Tafel des ausge? 
zehrten Wanderers, der in wehender Angst quer über die Felder flieht — 
hinten in weitem Land steht der Galgen, Räuber plündern einen Mann, 
den sie am Baum festbanden, ein Dudelsackpfeifer spielt, ein Bauern? 
paar schlägt sich und gierige Vögel flattern um Totengebein. Wohl atmet 
im Rund die friedliche Landschaft mit Fluß und Wald, welligen Hügeln 
und Turm und Stadt. Aber was bleibt dem, der sieht, wie alles, was 
lebt, sich zerfleischt, der fühlt wie der Boden wankt, auf dem er steht, 
anderes denn die Flucht? 



* 



UEBER das Schicksal eines einzelnen Menschen, über den Kreis 
einer Epoche hinaus ragt dieses Werk ins Ewige als eines der 
wenigen Gleichnisse, die die nordische Menschheit für ihr Da? 
sein schuf. Wir hörten von der den Einzelnen im All auflösenden und 

• 26 * 



erlösenden Lehre der indischen und chinesischen Weisen. Und bei den 
Grenzen unseres Daseins versank die in Heiterkeit und Harmonie sich 
erfüllende, die Klüfte des Lebens mit regenbogenfarbener Brücke über? 
spannende Welt der Antike, wo ewig junge Göttinnen die goldenen 
Äpfel in lichten Händen hielten. 

Aber hier ist furchtbarer, nie zu lösender Zwiespalt von Geist und 
Fleisch, Gott und Welt. Faustischer Trieb nach Erkenntnis des All und 
Verzichtenmüssen im Angesicht der Dunkelheit, die Sinn und Grund 
aller Dinge umhüllt. 

Sehet: Unser Bruder. Der abendländische Mensch, der sich von der 
Gemeinschaft Gottes loslöste und nun armselig und vereinzelt am Weg 
zusammenbricht. Wasserspeier des Doms, der mit gierigen Händen in 
trüben Tiefen wühlt, derweilen sein erloschenes verkrampftes Antlitz 
aufwärts sich reckt. Aber die ins Grenzenlose schwingende Gebärde 
reicht nicht mehr zu Gott hin. 



* 



* 27 



DAS WERK DES HIERONYMUS BOSCH 

GEMÄLDE 

Tafel 1, 2, 3. Das Jüngste Gericht. Auf den Flügeln Paradies und Hölle. Außen: 

St. Bavo und St. Johannes. Wien, Akademie. 
Tafel 4. Anbetung der Könige. Philadelphia (Johnson). 

Anbetung der Könige. Neuyork. Metropolitan*Museum. (Größe: 0,72 : 0,56.) 
Tafel 5 und 6. Johannes auf Patmos. Rückseite grau in grau die Passion Christi. 

Berlin, Kaiser=Friedrich*Museum. 
Tafel 7 und 8. Die Seligen, die Verdammten, 4 Flügel. Venedig, Accademia. 
Trfel 9, 10, 11, 12, 13, 14. Der Garten der Lüste. Erschaffung der Eva. Hölle. Escorial. 

(Größe der Mitteltafel: 2,20 : 1,95.) 
Tafel 15. Der heilige Christophorus. Schweizer Privatbesitz. 
Tafel 16. Der heilige Hieronymus. Gent. 
Tafel 17. Der hl. Antonius. Berlin. Kaiser=Friedrich*Museum. 

Die Reiter. Die Hirten. Flügel eines Triptychons. Privatbesitz. 

Die Geburt Christi. Köln, Wallraf<Richartz*Museum. (Größe: 0,74 : 0,60.) 
Tafel 18, 19, 20, 21. Die Anbetung der Könige. Madrid, Prado. Flügel: Stifter mit 

Heiligen. Rückseite: Messe des heiligen Gregor. (Größe der Mitteltafel: 1,33:0,71.) 
Tafel 22. Die sieben Todsünden. Bemalte Tischplatte. Escorial. (Größe: 1,20:1,50.) 
Tafel 23. Ausstellung Christi. Frankfurt, Städelsches Kunstinstitut. (Größe : 0,75 : 0,61 .) 
Tafel 24. Ausstellung Christi. Princeton, Universität. (Größe: 0,85 : 1,05.) 

Ausstellung Christi. Philadelphia. Sammlung Johnson. 
Tafel 25. Die Kreuztragung Christi. Escorial. (Größe: 1,94: 1,50.) 
Tafel 26 und 27. Die Versuchung des heiligen Antonius. Lissabon. Triptychon. 
Tafel 28. Die Versuchung des heiligen Antonius. Madrid, Prado. (Größe: 0,49 : 0,51.) 
Tafel 29. Die Dornenkrönung. Antwerpen. Museum. (Größe: 0,85 : 0,69.) 
Tafel 30. Die Verspottung Christi. Escorial. 

Tafel 31. Die Kreuztragung. Gent. Museum. (Größe: 0,72 : 0,78.) 
Tafel 32, 33. Die heilige Julia. Triptychon, Mittelbild: Martyrium der Heiligen. Linker 

Flügel : Der betende Antonius. Rechter Flügel : Krieger von einem Mönch geführt. 

Venedig. (Größe der Mitteltafel: 1 : 0,60, der Flügel je 1 : 0,25.) 
Tafel 34, 35. Der heilige Hieronymus. Auf den Flügeln die Heiligen Antonius und 

Ägidius. Venedig. (Größe der Mitteltafel: 0,84 : 0,61, der Flügel je 0,84 : 0,36.) 
Tafel 36. Der verlorene Sohn. Wien, Sammlung Figdor. (Durchmesser 0,63.) 
Tafel 37. Das Narrenschiff. Paris, Louvre. (Größe: 0,59 : 0,33.) 
Tafel 38, 39, 40, 41, 42. Der Heuwagen. Mittelbild: Der Heuwagen. Linker Flügel: 

Erschaffung der Eva, Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradies, Sturz der Engel. 

Rechter Flügel: Hölle. Geschlossen: Ein fliehender Bauer. Escorial. (Größe der 

Mitteltafel: 1,65: 1,05.) 
Tafel 43. Der Gaukler und sein Spießgeselle. St. Germain-ensLaye. Museum. (Größe: 

0,60 : 0,72.) 
Tafel 44. Die Steinoperation. Madrid, Prado. (Größe: 0,49 : 0,39.) 

* 28 * 



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ZEICHNUNGEN 

Versuchung des heiligen Antonius. Paris, Louvre. Abb. 9. 
Der Charlatan. Paris, Louvre. 
Gebrechliche. Wien, Albertina. 
Fastnacht. Wien, Albertina. 
Zwei Frauen. Wien, Albertina. 

Höllenszene. Wien, Akademie der bildenden Künste. 
Maria und heiliger Johannes. Dresden, Kupferstichkabinett. Abb. 5. 
Zwei groteske Frauenfiguren. Dresden, Kupferstichkabinett. 
Versuchung des heiligen Antonius. Berlin, Kupferstichkabinett. Abb. 7. 
Bauerntanz. Berlin, Kupferstichkabinett. 

Frau, die einen Bauern rasiert. London, British Museum. Abb. 4. 
Zwei Zeichnungen von grotesken Figuren. Oxford. Abb. 2 und 3. 
Bildnis des Alart von Hameel. Hoeswick (Holland). 

Die Aufstellung stimmt im wesentlichen mit den von Friedländer („Von Eyck bis 
Bruegel") und Cohen („Thiemes Künstlerlexikon") gegebenen überein. (Die weitere 
Literatur zu Bosch, dem bisher von der deutschen Forschung — ich nenne Justi, Doli* 
mayr, Baldaß — nur einige Aufsätze in Zeitschriften gewidmet worden sind, wird an 
den beiden Stellen angeführt. Aus der ausländischen Literatur seien namentlich die 
Bücher von Lafond und Gossart genannt.) Erstmalig, soweit mir bekannt, wird hier 
die Tafel des heiligen Christophorus publiziert. Gegen die Authentizität der Antwer- 
pener Verspottung, des Narrenschiffes, des Gauklers, der Kölner Geburt Christi hat 
Friedländer, gegen das Wiener „Jüngste Gericht" u. a. Baldaß (wie mir scheint unbe* 
gründete) Einwendungen erhoben. Photographische Wiedergaben des von Friedländer 
(a. a. O. S. 182) als im Brüsseler Kunsthandel befindlich erwähnten „Christus am Kreuz" 
und des Gemäldes im Museum zu Valenciennes, auf das u. a. Baldaß hingewiesen hat, 
waren mir nicht zugänglich. Die Ungunst der Zeiten hinderte eine neuerliche Durch? 
sieht der Zeichnungen, zumal in den großen außerdeutschen Kabinetten, die mög* 
licherweise da und dort neue und wertvolle Ergebnisse zeitigen würde. 
Die Stiche der Hameel, Cock, Petrus a Merika, P. a. d. Heyden und anderer nach 
verloren gegangenen Bildern Boschs (Abb. 6, 8, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17, 18) können 
natürlich nur sehr bedingt herangezogen werden, da bei der Übertragung in die gra* 
phische Technik fast nur das Gegenständliche des Motivs erhalten blieb. 



VON KURT PFISTER: 

Vincent van Gogh (Potsdam, Gustav Kiepenheuer Verlag). Rembrandt (München, Delphinverlag). 
Marees (ebenda). Van Eyck (ebenda). Herkules Segers (München, R. Piper & Co.). Rembrandts 
religiöse Legenden (München, Mare'esgesellschaß). Die Handzeichnungen Bruegels (ebenda). Bruegel. 
(Leipzig, Inselverlag). Deutsche Graphiker der Gegenwart (Leipzig, Klinkhardt & Biermann). Edwin 
Scharff (ebenda). Der Ritter vom Turn (München, Rolandverlag). Die Donaueschinger Holzschnitt* 
passion (ebenda). Deutscher Holzschnittkalender von 14S0 (ebenda). Der junge Dürer (München, 
O. C. Recht). Holbein (München, Holbeinverlag). Die primitiven Holzschnitte (ebenda). Die mittel* 
alterliche Buchmalerei des Abendlandes (ebenda). Die romanische Plastik (ebenda). 



29 * 



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DOKUMENTE 

1. AUS DEM MALERBUCH DES FELIPE DA GUEVARA 1 

ES gibt eine unendliche Reihe von Gemälden dieser Gattung, die mit dem Namen 
des Hieronymus Bosch, jedoch fälschlich, bezeichnet sind; Gemälde, an welche 
Hand anzulegen ihm nie eingefallen ist, sondern nur dem Rauch und den kurz* 
sichtigen Köpfen, indem man sie in Kaminen räucherte, um ihnen Glaubwürdigkeit 
und altes Ansehen zu verschaffen. Ich wage sogar zu behaupten, daß Bosch nichts 
unnatürliches in seinem Leben gemalt hat, außer in Sachen der Hölle und des Fege* 
feuers, wie ich bereits bemerkte. Er bemühte sich zwar, für seine Erfindungen höchst 
seltene Dinge zu suchen, aber naturgemäß der Art, daß man es als ein allgemein* 
gültiges Gesetz aufstellen kann, ein jedes Gemälde, und sei es auch mit seiner Unter* 
schrift versehen, in dem irgend eine Monstrosität vorkommt oder etwas, das die Grenzen 
der Natürlichkeit verläßt, sei gefälscht oder nachgemacht, wenn es nicht, wie ich sagte, 
die Hölle oder etwas daraus vorstellt. Es ist sicher und jedem, der mit Aufmerksam* 
keit die Schöpfungen des Bosch betrachtet, ist dies offenkundig geworden, daß er viel 
Gewicht auf das Schickliche legte und die Grenzen der Natürlichkeit auf das sorg* 
samste eingehalten hat; ebensosehr und noch viel mehr als irgend einer seiner Kunst* 
genossen. Doch verlangt es die Gerechtigkeit, darauf aufmerksam zu machen, daß 
es unter diesen Nachahmern des Hieronymus Bosch einen 2 gibt, der sein Schüler 
war, und der aus Verehrung für seinen Meister, oder um seinen eigenen Werken mehr 
Wert zu geben, sie mit dem Namen des Bosch und nicht mit dem seinen versah. 
Das sind trotz des eben bemerkten Umstandes Schöpfungen, die großer Wertschätzung 
würdig sind, und wer sie besitzt, muß sie hochhalten, denn in den Erfindungen aus 
Sittenbildern lebt in ihm ein Zug seines Meisters; in der Ausarbeitung war er noch 
sorgsamer und geduldiger als dieser und entfernte sich nicht von der Lebendigkeit 
und Frische, Stattlichkeit und vom Kolorit seines Lehrers. Ein Beispiel für diese 
Gattung von Gemälden ist ein Tisch, den Se. Majestät besitzt, auf welchem im Kreis 
die sieben Todsünden in Figuren und Beispielen gemalt sind. Obwohl das Ganze 
an und für sich wunderbar ist, so ist insbesondere das Bild des Neides nach meinem 
Urteil so gelungen und so vortrefflich und darin der Affekt so ausgedrückt, daß es 
mit Aristides wetteifern kann, dem Erfinder solcher Gemälde, welche die Griechen 
Ethnika nennen, was in unserem Kastilianisch soviel als Gemälde heißt, welche Sitten 
und Affekte der Menschen zum Vorwurf haben. 

1 Spanischer Kunstfreund, der sechs Bilder von Bosch besaß. Nach seinem Tod (1570) gingen sie 
in Philipps II. Besitz über. 

2 Vielleicht ist damit Bruegel gemeint. 



30 



2. DER BERICHT DES CAREL VAN MANDER (1617) 1 
Mannigfach und oft seltsam sind die Neigungen, Malweisen und Werke der Maler 
Ein jeder hat dann das Beste erreicht, wozu ihn eine natürliche Neigung hingezogen 
hat. J er sollte wohl all die wunderlichen und seltsamen Phantasien aufzählen können 
die Hieronymus Bosch in seinem Kopfe gehabt und mit dem Pinsel dargestellt hat' 
all den Spuk und die Ungeheuer der Hölle, die manchmal mehr grauenerregend als 
ansprechend anzusehen sind. Er wurde zu Herzogenbusch geboren, aber ich habe 




Abb. 11. Groteske Reiterei. Stich nach Bosch 



außer daß er schon zu sehr früher Zeit gelebt hat, keine Daten über sein Leben und 
Sterben in Erfahrung bringen können. Gleichwohl unterschied er sich in der Art 
seiner Drapierungen sehr von der altmodischen Art der mannigfach gebrochenen und 
gefalteten Gewänder. Seine Malweise war energisch, geschickt und schön. Er malte 
seine Sachen vielfach auf einen Wurf fertig, wodurch die Bilder gleichwohl, ohne sich 
in der Farbe zu verändern, sehr schön bleiben. Er hatte auch wie noch andere alte 
Meister die Gewohnheit, seine Sachen auf den weißen Grund der Malbretter aufzu* 
zeichnen und darüber einen karnatartigen Ton zu legen. Auch ließ er manchmal den 
Grund mit sprechen. Zu Amsterdam befinden sich einige von seinen Bildern. An 
1 Übersetzt von Floerke. 



31 * 



einer Stelle habe ich dort eine Flucht nach Ägypten gesehen mit Joseph, der einen 
Bauern nach dem Wege fragt und Maria, die auf dem Esel sitzt. Im Hintergrunde 
sieht man einen seltsamen Felsen, wo man sich wunderbarerweise restaurieren kann, 
da er wie eine Herberge eingerichtet ist. Dort sieht man auch einige fremdartige 
Figürchen, die einen großen Bären gegen Geld tanzen lassen. Alles das ist wunder* 
seltsam und belustigend anzusehen. Ferner ist auf der Waal eine Hölle von ihm. 
Hier ist dargestellt, wie die Patriarchen erlöst werden und wie Judas, der auch meint 
mit hineinziehen zu dürfen, mit einem Strick in die Höhe gezogen und gehängt wird. 
Es ist wunderbar, was hier alles an grotesken Spukgestalten zu sehen ist, und wie 
schön und wie natürlich er Flammen, Glut und Rauch wiederzugeben verstanden hat. 
Ferner befindet sich von ihm zu Amsterdam eine Kreuzschleppung, bei der er mehr 
Ernst, als sonst wohl seine Gewohnheit war, gezeigt hat. Zu Harlem, im Hause des 
kunstliebenden Jan Dietring habe ich verschiedene Sachen von ihm gesehen, nämlich 
Altarflügel mit Heiligen — unter anderem einen heiligen Mönch, der mit einer Anzahl 
Ketzer disputiert und alle ihre Bücher nebst seinen eigenen in das Feuer legen läßt. 
Derjenige sollte Recht haben, dessen Buch nicht verbrennen würde, und das Buch 
des Heiligen fliegt aus dem Feuer heraus. Dieses war sehr schön gemalt, sowohl was 
das Lodern der Flammen betrifft, als auch die verbrannten und mit Asche bedeckten 
rauchenden Holzstücke. Der Heilige und sein Begleiter waren sehr ernst aufgefaßt, 
während die anderen Figuren seltsame Gesichter hatten. An einer anderen Stelle sieht 
man die Darstellung eines Wunders, da ein König und andere Personen am Boden 
liegen und großen Schrecken zeigen. Ihre Gesichter, Haare und Barte sind bei ge* 
ringem Aufwand an Arbeit sehr charakteristisch wiedergegeben. In den Kirchen zu 
Herzogenbusch kann man noch Werke von seiner Hand sehen, ebenso an anderen 
Orten. Auch im Escorial sind Sachen von ihm, die dort sehr in Ehren gehalten werden. 
Zu ihm spricht Lampsonius in seinen Versen in folgendem Sinne: 

Quid sibi vult, Hieronyme Boschi 
llle oculus tuus attonitus ? quid 
Pallo in ore? velut lemures si 
Spectra Erebri volitantia coram 
A spiceres ? Tibi Ditis a vari 
Credideru, patuise recessus 
Tartareasque domos: tua quando 
Quid quid habet sinus imus A verni, 
Tarn potuit bene pingere dextra. 



* 32 * 



HÖLLENSCHILDERUNGEN DES MITTELALTERS 1 

1. DIE APOKALYPSE VON AKHMIN (2. CHRISTLICHES 

JAHRHUNDERT) 

ICH sah aber auch einen anderen Ort, jenem gerade gegenüber, der ganz finster war. 
Und es war ein Ort der Strafe. Und die, welche gestraft wurden, und die strafenden 
Engel hatten ein dunkles Gewand an gemäß der Luft des Ortes. 
Und es waren welche dort, 
die waren an der Zunge 
aufgehängt. Das waren die, 
welche den Weg der Ge= 
rechtigkeit lästerten, und 
unter ihnen brannte Feuer 
und peinigte sie. Und es 
war da ein großer See 
gefüllt mit brennendem 
Schlamm, in dem sich sol= 
che Menschen befanden, 
welche die Gerechtigkeit 
verdrehten, und Engel be= 
drängten sie als Folterer. 
Es waren aber auch sonst 
noch Weiber da, die an 
den Haaren aufgehängt 
waren, oben über jenem 
auf brodelnden Schlamm. 
Das waren die, welche sich 
zum Ehebruch geschmückt 
hatten; und die, welche 
sich mit ihnen vermischt 
hatten in der Schande des 
Ehebruchs, waren an den Füßen aufgehängt und mit dem Kopf in jenen Schlamm 
gesteckt, und sie sprachen : „Wir glaubten nicht, daß wir an diesen Ort kommen würden." 
Und die Mörder erblickte ich und ihre Mitschuldigen, die geworfen waren an einen 
engen Ort, der voll war von bösem Gewürm; und sie wurden gebißen von jenen Tieren 

1 Auf die Bedeutung der literarischen Höllenschilderungen für die Höllenbilder Boschs hat zuerst 
Dollmayr im österreichischen Jahrbuch hingewiesen. 




Abb. 12. Die triumphierende Kirche. 



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Stich nach Bosch 



33 * 



und mußten sich dort in jener Qual winden. Es bedrängten sie Würmer wie Wolken 
der Finsternis. Und die Seelen der Gemordeten standen da und sahen auf die Qual 
jener Mörder und sprachen: „O Gott, gerecht ist dein Gericht." 

Nahe an jenem Ort sah ich einen anderen engen Ort, in dem das Blut und der Unrat 
derer, die bestraft wurden herabfloß und dort wie ein See wurde. Und dort saßen 
Weiber, die hatten das Blut bis an den Hals und ihnen gegenüber saßen viele Kinder, 
die da unzeitig geboren waren, und weinten. Und von ihnen gingen Feuerstrahlen 
aus und trafen die Weiber über das Gesicht. Das waren die, welche unehelich em< 
pfangen und abgetrieben hatten. 

Und andere Männer und Weiber waren in Flammen bis zu der Mitte und sie waren 
geworfen an einen finsteren Ort und wurden gegeißelt von bösen Geistern und ihre 
Eingeweide wurden aufgezehrt von Würmern, die nicht ruhten. Das waren die, welche 
die Gerechten verfolgt und sie verraten hatten. 

Und nicht weit von jenen wiederum Weiber und Männer, die sich die Lippen zer* 
bißen und gepeinigt wurden und feuriges Eisen über das Gesicht bekamen. Das 
waren die, welche gelästert hatten und geschmäht den Weg der Gerechtigkeit. 
Und diesen gerade gegenüber waren wieder andere Männer und Weiber, die sich die 
Zungen zerbißen und brennendes Feuer im Munde hatten. Das waren die falschen 
Zeugen. 

Und an einem anderen Orte waren Kieselsteine, spitzer als Schwerter und jede Speer* 
spitze, die waren glühend, und Weiber und Männer in schmutzigen Lumpen wälzten 
sich auf ihnen gepeinigt. Das waren die Reichen und die auf ihren Reichtum ver* 
trauten und sich nicht erbarmt über Waisen und Witwen, sondern das Gebot Gottes 
vernachlässigt hatten. 

L'nd in einem anderen großen See, der mit Eiter und Blut und aufbrodelndem Schlamm 
gefüllt war, standen Männer und Weiber bis an die Knie. Das waren die Wucherer 
und die Zinseszins forderten. 

Andere Männer und Weiber wurden von einem gewaltigen Abhang hinab gestürzt, 
kamen hinunter und wurden wiederum von den Drängern auf den Abhang hinauf- 
zugehen getrieben und von dort hinabgestürzt und hatten keine Ruhe vor dieser Pein. 
Das waren die, welche ihre Leiber befleckt und sich benommen hatten wie Weiber, 
und die Weiber bei ihnen, das waren die, welche beieinandergelegen hatten wie ein 
Mann beim Weibe. 

Und bei jenem Abhang war ein Ort voll gewaltigen Feuers, und dort standen Männer, 
welche sich mit eigener Hand Götzenbilder gemacht hatten statt Gottes. 
Und bei jenen waren andere Männer und Weiber, welche Stäbe von Feuer hatten und 
sich schlugen und niemals aufhörten mit solcher Züchtigung. 

Und wiederum waren nahe bei jenen andere Weiber und Männer, die gebrannt und 
gefoltert und gebraten wurden. Das waren die, welche den Weg Gottes verlassen hatten. 



54 



2. AUS DER APOKALYPSE DES APOSTELS PAULUS 
(SYRISCH. 5. JAHRHUNDERT N. CHR.) 

Dann hob er mich empor und führte mich über jene Ströme des Sees und erhob mich 
über jenen Ozean, der das Firmament des unteren Himmels trägt, und nun begann 
der Engel bei mir und sagte zu mir: „Weißt du, Paulus, wohin du jetzt gehst!" „Nein, 
Herr" erwiderte ich. Und er sprach weiter: „Folge mir nach! Und ich werde dir 
den Weg zeigen, wo die Sünder und die Seelen der Gottlosen gepeinigt werden." Und 
er führte mich gegen Sonnenuntergang hin, und ich sah daselbst den Anfang des 
Himmels festgestellt auf einem mächtigen Strome und sagte zu ihm: „Was ist dies da 
unten?" Er antwortete mir: „Dies ist das Meer des Ozeans, das die ganze Erde um* 
ringt, und darin ist die Erde. Es ist aber der Gürtel ob ihrem Haupte, und die Erde 
befindet sich in seiner Mitte." Ich sah aber dort feurige Kohlen gelegt, und eine Flamme 
stieg daraus hervor und eine große Menschenmenge war darin versenkt; einige davon 
waren bis zu den Lippen, andere bis zu den Bäuchen im Feuer. Da fragte ich den 
Engel: „Was sind denn diese da für Leute, Herr?" Und er entgegnete mir: „Die 
sind solche, welche sich weder den Gerechten noch den Sündern gleichgemacht, aber 
auch keine Bekehrung angenommen haben. Ihr Leben verging in dumpfer Gedanken? 
losigkeit und in Pflege ihrer Körper, und was sie immer taten, bestand in Unzucht 
und großen Sünden; allein der Buße ergaben sie sich durchaus nicht und erinnerten 
sich auch nicht an das Ende. Nachdem sie gestorben, brachte man sie hierher". Und 
ich sagte nun zu dem Engel: „Was sind wohl jene für Leute, o Herr, die bis zu den 
Knien im Feuer versunken sind?" Und er sprach zu mir: „Dies sind jene, die aus 
der Kirche gehen und vom Gebet ablassen und Unnützes schwatzen, die nur auf* 
merken, wenn es ihnen beliebt, und ihre Stimme über die anderen erheben." Hernach 
fragte ich ihn: „Herr! und jene, die bis zu ihrem Bauch im Feuer versunken sind, wer 
sind sie?" Und er gab mir zur Antwort: „Dies sind jene, die nach dem Empfange 
des Leibes Christi Ehebruch und Hurerei trieben und ihre Leiber nicht zur Ehre ihres 
Herrn bewahrten, und von ihrer Geilheit nicht abließen, bis sie starben." 
„Und wer sind denn jene, die bis zu den Lippen ins Feuer versenkt sind?" 
„Dies sind diejenigen, welche zwar allzeit in der Kirche Psalmen hersagten, aber 
durch Ränke einander befeindeten und mit verstellter Liebe ihren Nebenmenschen 
winkten." 

Ich erblickte nachher dort im Westen von der Sonne viele und mannigfaltige Peinen, 
und den Ort voll Männer und Weiber. Zwischen ihnen floß ein Feuerstrom hervor, 
und sie erlitten darin bittere Qualen. 

Dort sah ich ferner tiefe Tiefen und darin eine Menge Seelen, eine auf die andere 
geworfen. Die Tiefe des Feuerstromes betrug mehr als dreitausend Ellen. Die Seelen 
aber weinten und stöhnten alle zugleich, rufend: „Unser Herr, erbarme dich unser, 
Herr, Gott!" Bisher jedoch ward ihnen keine Barmherzigkeit zu Teil. 
Ich fragte nun den Engel, der bei mir war: „Wer sind wohl diese, o Herr?" Und er 

* 36 * 



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Abb. 14. Konstantin empfängt die Erscheinung des hl. Kreuzes. Stich nach Bosch 



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antwortete mir: „Dies sind diejenigen, welche auf Gott nicht vertrauten, daß er ihr 
Helfer sein werde, vielmehr aber auf ihren Reichtum ihr Vertrauen setzten." Dann 
sagte ich zu ihm: „Herr, seit welcher Zeit sind sie hier?" Und er erwiderte mir: 
Seit zwanzig Geschlechtern und länger noch bleiben sie, eine Seele auf der anderen, 
in dieser ganzen Tiefe da, so weit sie nur reicht." Weiter sprach der Engel zu mir: 
„Diese Tiefe und dieser Abgrund haben kein Maß. Er wallt aber heftig glühend 
gleich einem Kessel auf, wie du siehst." 

Ich schaute jetzt hin und sah noch eine andere Tiefe, die tiefer als jene erste war, und 
darin befanden sich Seelen von Gottlosen. Es verhielt sich mit ihrer Tiefe aber so, 
daß wenn Seelen von Gottlosen in sie geworfen werden, sie kaum in hundert Jahren 
in den Grund derselben kommen. 

Als ich Paulus dies geschaut, weinte und stöhnte ich darüber, daß dem Menschen* 
geschlechte so viele Peinen bereitet sind. Der Engel aber fragte mich: „Warum weinst 
du und weshalb seufzest du? Bist du etwa barmherziger als Gott?" Ich antwortete: 
„Das sei ferne von mir, o Herr! Gott ist gütig und barmherzig gegen die Menschen 
und läßt jeden von ihnen nach seinem Willen wandeln, wie es demselben gefällt." 
Und ich schaute wieder und sah wieder einen Feuerstrom, der viel reißender war als 
der andere, und einen Greis dabei. Den führten Engel dahin und versenkten ihn in 
den feurigen Strom bis zu den Knien hinauf. Dann ward ein Diener aus den Engeln 
beordert; dieser hielt in seiner Hand einen eisernen Stab, an dem drei Zähne waren, 
und zog die Eingeweide des alten Mannes bei seinem Munde heraus. Nun sagte ich 
zum Engel, der bei mir war: „Was sind das für schreckliche Peinen, womit man diesen 
alten Mann peinigt?" Und der Engel sagte zu mir: „Dieser war ein Priester und ver* 
richtete sein Amt nicht, wie er schuldig war; er ließ keinen Tag vom Ehebrechen, Essen, 
Trinken, Unzuchtstreiben ab; die gewöhnliche Pflicht seines Amtes erfüllte er aber 
auch nicht einen Tag." 

Ich schaute weiter und erblickte einen anderen Greis, den vier Engel streng in unge* 
stümem Laufe herschleppten und bis zu den Knien in jenen Feuerstrom versenkten. 
Sie ließen ihn nicht rufen: „Herr, erbarme dich meiner"!, sondern peinigten ihn grau* 
sam. Da sprach ich zum Engel, der bei mir war: „Wer ist dieser, o Herr?" Und er 
antwortete mir: „Mein Sohn, dieser war ein Bischof, weidete aber seine Herde nicht 
gut, sondern machte sich nur durch Essen, Trinken und Wollüste einen Namen, dachte 
jedoch nicht an die Güte, welche ihn erhoben und des großen Geschäftes gewürdigt 
hatte, ein Oberhirt zu sein. Auch nicht ein gerechtes Gericht richtete er, noch hatte 
er Erbarmen für Waisen und Witwen." 

Ich sah aber daselbst auch einen anderen Mann, der bis zu seinem Nacken versenkt 
und in Blut getaucht war. Würmer krochen aus seinem Munde herauf, er weinte 
bitterlich und schrie: „Unser Herr, erbarme dich meiner"! Diese Pein war nämlich 
härter als alle anderen Peinen. Ich sagte nun zum Engel, der bei mir war: „Wer ist 
dieser da, o Herr?" Und er erwiderte mir: „Dieser war ein Diacon und genoß das 
Opfer auf ungeordnete Weise mit der Gier nach Brot. Zudem verrichtete er keinen 

* 38 * 



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Tag etwas Gottgefälliges, sondern trieb Ehebruch: Deswegen erweist man ihm keine 
Barmherzigkeit und seine Peinigung ist ohne Erbarmen." 

Wieder sah ich einen anderen Mann in grausamer Bedrängnis. Man warf ihn nämlich 
in dieses Feuer und es kam zu ihm ein Engel, der nämlich die Oberaufsicht über die 
Peinen hatte. Dieser hielt in seiner Hand eine heftig brennende Feuerzange und zer* 
schnitt langsam die Lippen des Mannes. Bei diesem Anblicke weinte ich Paulus und 
sprach zum Engel an meiner Seite: ,,Herr, wer ist dieser?" Der Engel aber sagte 
mir: „Dieser war ein Lehrer und Lector in der Welt, hielt aber keines der Gebote, 
die er lehrte. Er starb unbekehrt und deshalb peinigen wir ihn." 

Hernach erblickte ich einen anderen Ort, worin verzehrendes Feuer mit einem Wurm 
war, und eine Menge Männer und Weiber waren hineingeworfen. „Der Wurm aber 
fraß und verzehrte ohne Schonung. Da fragte ich den Engel, der bei mir war: „Was 
sind diese da für Leute, o Herr?" Er antwortete mir dann: „Du siehst da, o Paulus, 
diejenigen, welche Zins genommen haben und auf ihren Reichtum vertrauten, auf den 
Herrn aber als ihren Retter nicht hofften. Nachdem sie dann unbußfertig gestorben, 
kamen sie in diese furchtbare und bittere Qual." 

Darauf zeigte er mir aber einen anderen Ort, der noch viel bedrängnisvoller und 
schrecklicher als jener erste war. Darin befanden sich Männer und Weiber, deren viele 
sich die Zungen zerbissen, und ich fragte den Engel bei mir: „Wer sind diese, Herr?" 
L T nd er sagte: „Dies sind diejenigen, welche in der Kirche zur Zeit der Feier der hl. 
Geheimnisse redeten. Sie merkten auf die "Worte Gottes nicht, sondern schwatzten 
von eitlen Dingen und unterließen den Umgang mit Gott. Sie starben dahin, ohne 
Buße angenommen zu haben." 

Wieder schaute ich in eine andere Tiefe, aus der Qualm hervorströmte, und ich er* 
blickt eine Menge Männer und Weiber, die ohne Erbarmen gepeinigt wurden, und 
zwar einige bis zu ihren Lippen, andere bis zu ihrem Haupte. Da sprach ich zum 
Engel, der bei mir war: „Wer sind diese, o Herr?" Und er gab mir zur Antwort: 
„Diese sind Zauberer und Zauberinnen, die sich selbst keine Ruhe ließen, bis sie aus 
der Welt schieden." 

Darüber hinaus sah ich aber eine gräuliche Finsternis, in der sich Männer und Weiber 
befanden. Ihr Geschrei erhob sich bis zum Himmel unausgesetzt, und sie riefen: 
„Unser Herr, erbarme dich unser!" Allein jene Engel vermehrten noch ihre Peinen 
und Qualen, sprechend: „Hier ist kein Raum mehr zur Buße. Hättet ihr vor eurem 
Hinscheiden sie dargebracht, so hätte man euch vielleicht aufgenommen." Ich, Paulus 
seufzte aber und weinte, indem ich sagte: „Weh' euch, ihr Gottlose! Wozu seid ihr 
wohl auf der Welt geboren worden?" Und er antwortete mir: „Noch mehr solltest 
du weinen über die Patriarchen und Metropoliten und Bischöfe. Weine aber über 
die Priester und Diaconen; denn alle haben sich mehr versündigt als die Geldlieb* 
haber. Sie liebten diese Peinen, die jetzt ihnen auferlegt sind. Deshalb finden sie, 
da sie keine Barmherzigkeit ausübten, auch selbst keine Ruhe, sondern werden sieben* 
fach mehr gepeinigt, weil sie die Zeit der Buße verloren haben. Gott ist barmherzig; 



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Abb. 16. Heraklius zieht mit dem hl. Kreuz in Jerusalem ein. Stich nach Bosch 



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denn er hat jedem den freien Willen gelassen, und daher gebühren ihnen die bitteren 
Qualen." 

Als ich darüber weinte, sprach der Engel zu mir: „Du bist verrückt, Paulus! Bisher 
hast du grausame Peinen noch gar nicht gesehen." Dann führte er mich gegen Westen, 
wo alle Qualen bereitet waren, und hernach stellte er mich ober einen Brunnen, von 
dem ich sah, daß er mit drei Siegeln versiegelt war. Und der Engel, welcher bei mir 
war, hob an und sagte zu mir: „Siehst du, Paulus, diesen Brunnen?" Darauf sprach 
er zum Engel, welcher ober der Öffnung des Brunnens stand: „Öffne diesen Brunnen, 
damit Paulus, der Geliebte unseres Herrn, schaue" (was unten ist!). Ihm gab er näm* 
lieh die Erlaubnis, sowohl alle Wonnen und Seligkeiten der Gerechten, als auch alle 
Wehen und Peinen der Sünder zu sehen. 

Jener Engel (der bei der Öffnung war) antwortete darauf und sagte zu uns: „Steht 
also weit entfernt, damit der Geruch der Verwesung und des Gestankes euch nicht 
treffe!" Da er nun den Brunnen öffnete, drang ein gewaltiger Gestank daraus hervor, 
und der Engel an meiner Seite sprach zu mir: „Von jedem, der immer in diesen Brunnen 
geworfen wird, wisse, daß seiner weder bei Gott noch bei den Engeln mehr gedacht 
wird." Und ich fragte den Engel, der bei mir war: „Herr, wer sind jene, die dieses 
Brunnens würdig sind? Er aber antwortete mir: „Jene, die den Herrn Jesus und seine 
Auferstehung nicht bekennen, auch nicht, daß er Mensch geworden, sondern die da 
meinen, er sei allen anderen Menschen gleich, und in bezug auf das Opfer des Leibes 
unseres Herrn sagen, es sei nur Brot." 

Nun blickte ich gen Westen, und sah den Himmel offen und den Engelfürsten Michael, 
der dem Bunde vorsitzt, vom Himmel herabsteigen, und Märtyrer und Engelreihen 
mit ihm, und er kam zu jenen, die in der Pein waren, und sie sprachen zu ihm: „Unser 
Herr, erbarme dich über uns! Wir wissen, daß du, solang wir auf der Welt waren, 
jederzeit für uns Gebete darbrachtest. Nun aber hat uns das gerechte Gericht Gottes 
erreicht." Michael antwortete und sagte zu ihnen: „Höret ihr alle in der Pein: Bei 
dem Herrn, vor dem ich stehe, nie höre ich dort auf, für euch zu weinen, allein ihr 
Gottlosen hörtet nie auf zu sündigen, und ihr habet euer Leben in Eitelkeiten zu* 
gebracht. Wo sind jetzt aber, o ihr Gottlosen, eure Gebete? Wo ist eure Buße, daß 
etwa über euch Barmherzigkeit ergehen könnte?" Ich Paulus vernahm dies von Michael ; 
allein jene Gottlosen weinten nun und schrien, und ihre Stimme war wie Donner. 
Ich dachte an die Worte unseres Herrn, der da sagte: „Dort wird Weinen und Zähne* 
knirschen sein." Die Engel schrien mit ihnen und sprachen: „Unser Herr, erbarme 
dich über uns und dein Gebilde! Herr, sei gnädig deinem Ebenbilde!" 



* 42 



3. AUS DER VISION DES TUXDALO 
(SPATMITTELALTERLICHES VOLKSBUCH) 1 

DIE Seele Tundalos kam, nachdem sie den Händen zahlloser Teufel entgangen 
war, von einem Lichtengel begleitet durch dichte Finsternis in ein schreck* 
liches Tal voll glühender Kohlen, mit einem sechs Meter dicken Himmel aus 
glühendem Eisen bedeckt. Auf diesen ungeheuren Deckel regnen unaufhörlich die 
Seelen der Mörder, wo sie, von der furchtbaren Hitze durchdrungen, schmelzen wie 
der Speck in der Pfanne, und, flüssig geworden, durch das Metall durchsickern, wie 
Wachs durch ein Tuch und auf die darunterliegenden Kohlen herabtröpfeln, dann in 
ihren früheren Zustand zurückkehren, um neue Qualen zu erdulden. Weiterhin ist 
ein Berg von wunderbarer Größe, voll Schrecken in weiter Einsamkeit. Man erreicht 
ihn auf einem schmalen Pfade, auf dessen einer Seite sich stinkendes, dunkles Feuer, 
auf der anderen Hagel und Schnee befindet. Der Berg ist voll von Teufeln, die mit 
Haken und Dreizacken bewaffnet, die Seelen der Intriganten und Wortbrüchigen an* 
fallen, welche auf jenem Pfade dahinwandeln, sie hinabstoßen und mit ewigem Wechsel 
aus dem Eis ins Feuer und aus dem Feuer ins Eis werfen. Dann folgt ein anderes Tal, 
so dunkel, daß man seinen Grund nicht sehen kann. Die Luft ist voll Gebrüll durch 
den Sturz eines Schwefelflusses, welcher da unten strömt und durch das fortwährende 
Geheul der Verdammten und zugleich mit unerträglich stinkendem Rauch erfüllt. 
Die gegenüberliegenden Wände dieses Schlunds verbindet eine Brücke von tausend 
Schritt Länge und nicht mehr als einem Fuß Breite, ungangbar für die Hochmütigen, 
welche von ihr in die endlosen Qualen hinabstürzen. Nach langem und mühsamen 
Weg erscheint der entsetzten Seele eine Bestie, größer als die größten Berge und von 
schauderhaftem Ansehen. Ihre Augen sind wie zwei brennende Hügel und das Maul 
so ungeheuer groß, daß es neuntausend bewaffnete Männer fassen könnte. Zwei Riesen 
halten wie zwei gewaltige Säulen dieses Maul offen und unauslöschliches Feuer ent* 
quillt ihm. Von einem Heer von Teufeln angetrieben und gezwungen stürzen sich die 
Seelen der Geizigen in die Flammen, dringen ins Maul und werden aus dem Maule 
in den Bauch des Ungeheuers hinabgeschlungen, von wo man das Geheul von My* 
riaden Gequälter hört. Dann folgt ein großer, gefährlicher Sumpf voll schrecklicher, 
brüllender Tiere, über den eine Brücke, zwei Meilen lang und eine Spanne breit, 
starrend von spitzen Nägeln, führt. Die Tiere sammeln sich längs der Brücke, Flammen 
ausspeiend, und verschlingen die Seelen von Dieben und Räubern, die herabstürzen. 
Aus einem Ungeheuern, runden, einem Schmelzofen ähnlichen Gebäude brechen 
Flammen, welche noch in tausend Schritte Entfernung die Seelen quälen. Vor den 
Toren, mitten im Feuer, stehen teuflische Henker mit Messern, Sicheln, Bohrern, 
Beilen, Karsten, Schaufeln und anderen Werkzeugen, womit sie die Seelen der Ge* 
fräßigen schinden, köpfen, durchbohren, vierteilen, zerstückeln, um sie dann ins Feuer 
zu werfen. Ferner sitzt dort auf einem gefrorenen Sumpfe eine Bestie, scheußlicher 
als alle anderen, mit zwei Füßen, zwei Flügeln, langem Hals und eisernem Schnabel, 

1 Nach dem Auszug von Graf. 

* 44 • 



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Abb. IS. Musikanten beim Brunnen. Stich nach Bosch 






welche unauslöschbares Feuer speit. Dieses Tier verschlingt alle Seelen, welche ihm 
nahe kommen, verdaut sie und gibt sie dann als Kot wieder von sich. Dieser Seelen* 
schmutz fällt dann auf den gefrorenen Sumpf, wo jede Seele wieder ganz ihre frühere 
Gestalt erhält und darauf sogleich schwanger wird, sei sie Mann oder Weib. Die 
Schwangerschaft nimmt ihren natürlichen Verlauf und während dieser Zeit stehen die 
Seelen auf dem Eis, während ihre Eingeweide von dem Produkt der Empfängnis zer* 
rissen werden. Wenn ihre Zeit gekommen ist, gebären sie, sowohl Männer wie Weiber, 
und zwar scheußliche Bestien mit Köpfen von glühendem Eisen, spitzen Schnäbeln 
und von Dornen starrenden Schwänzen. Diese Bestien dringen aus allen Teilen des 
Leibes hervor und beim Hervorkommen zerreißen sie das Fleisch und die Eingeweide 
und ziehen sie hinter sich her, kratzend, beißend, brüllend: dies ist die Strafe der 
Wollüstigen, vorzüglich derjenigen, welche in den Dienst Gottes traten und dann ihr 
Fleisch nicht beherrschen konnten. In einem anderen entfernteren Tale sind viele 
Schmieden und unzählige Teufel in Gestalt von Grobschmieden, welche die Seelen 
mit glühenden Zangen fassen und auf brennende, fortwährend durch Blasebälge an* 
gefachte Kohlen werfen; wenn sie dann glühend geworden sind, ziehen sie sie mit 
großen, eisernen Haken aus dem Feuer, fassen ihrer zwanzig, dreißig oder selbst 
hundert zusammen, werfen die feurige Masse auf die Ambose und hämmern lustig 
darauf los. Die so zusammengeschweißte Masse werfen sie durch die Luft anderen, 
nicht weniger schrecklichen Schmieden zu, welche sie wieder mit ihren Eisenzangen 
fassen und das Spiel von neuem beginnen. Tundalo selbst wird der Strafe unterworfen, 
welche für diejenigen bestimmt ist, die Sünde auf Sünde häufen. Wenn die Seele 
die furchtbare Probe bestanden hat, gelangt sie in die Öffnung des letzten und tiefsten 
Höllenschlundes, an Gestalt ähnlich einer viereckigen Zisterne, woraus eine riesige 
Feuer* und Rauchsäule hervorbricht. Eine Unmasse von Seelen und unzählige Teufel 
fliegen in dieser Feuersäule wie Funken umher, um dann in den Schlund zurückzu* 
fallen. Hier, in der äußersten schrecklichen Tiefe des Abgrundes befindet sich der 
Fürst der Finsternis selbst, auf einem ungeheueren eisernen Rost ausgestreckt, fest* 
gebunden und von Teufeln umgeben, welche die unter ihm prasselnden Kohlen mit 
Blasebälgen anfachen. Er ist von riesiger Größe, schwarz wie Rabenfedern, rührt in 
der Finsternis tausend Arme, mit eisernen Klauen daran, und entrollt einen gewaltigen 
Schwanz, ganz mit spitzen Pfeilen besetzt. Das entsetzliche Ungeheuer zittert und 
windet sich, schäumend vor Schmerz und Wut, fährt mit seinen tausend Händen durch 
die dunkle Luft, welche ganz mit Seelen erfüllt ist, und wenn er eine Anzahl von 
ihnen erfaßt hat, drückt er sie in seinem verbrannten Munde aus, wie es ein durstiger 
Bauer mit einer Weintraube macht, dann seufzt er und bläst sie wieder von sich; wenn 
er wieder einatmet, zieht er sie alle wieder ein. So werden diejenigen bestraft, welche 
nicht auf die Barmherzigkeit Gottes gehofft oder nicht an Gott geglaubt haben, und 
ebenso alle anderen Sünder, welche erst eine Zeitlang die anderen Qualen ausstehen 
müssen und dann endlich dieser letzten unterworfen werden, welche ewig dauert. 



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1. Das jüngste Gericht (Wien) 



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2. Das Paradies (Wien) 




3. Die Hölle (Wien) 



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4. Anbetung der Könige (Philadelphia) 






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5. Johannes auf Patmos 




6. Die Passion 



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7. Die Seligen 




S. Die Verdammten 




9. Der Garten der Lüste. Mittlere Tafel 






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11. Ausschnitt aus Tafel 9 



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12. Der Garten der Lüste. Linker Flügel: Das Paradies 



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13. Der Garten der Lüste. Rechter Flügel: Die Hölle 



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14. Ausschnitt aus Tafel 13 



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16. Der heilige Hieronymus (Gent) 



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17. Der heilige Antonius (Berlin) 



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19. Die Anbetung der drei Könige. Mittlere Tafel 



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20. Ausschnitt aus Tafel 19 



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21. Die Messe des heiligen Gregor 



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23. Ausstellung Christi (Frankfurt) 



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25. Die Kreuztragung (Escorial) 



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26. Die Versuchung des hl. Antonius (Lissabon). Linker Flügel 



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27. Die Versuchung des hl. Antonius (Lissabon). Rechter Flügel 



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28. Die Versuchung des hl. Antonius (Prado) 



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29. Die Dornenkrönung 






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30. Verspottung Christi (Escorial) 



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32. Das Martyrium der hl. Julia. Mittlere Tafel 



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33. Der betende hl. Antonius und ein von einem Mönch geführter Krieger. Flügel zu 52 



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54. Der heilige Hieronymus 



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35. Der heilige Antonius und Ägidius. Flügel zu 13 



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36. Der verlorene Sohn 



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37. Das Narrenschiff 



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39. Der Heuwagen. Mittlere Tafel 



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40. Der Heuwagen Linker Flügel 
Erschaffung Adams und Evas, Sündenfall, Vertreibung aus dem Paradies, Sturz der Engel. 



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41. Der Heuwagen. Rechter Flügel. Die Hölle 



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42. Der Heuwagen. Außenflügel. Ein fliehender Bauer 



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44. Die Steinoperation 



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